Die Fiktion des deutschen Eurogewinners – Ein Beitrag von Dennis Hohloch

In Krisenzeiten sind Menschen besonders empfänglich für simplifizierte Darstellungen komplexer Sachverhalte. Ermöglichen sie es Ihnen doch die scheinbar zu komplizierte Materie, fadenscheinig und augenblicklich in der Zeit der Not zu durchdringen und einen Sündenbock für ihr Leid im eigenen Verstand zu manifestieren. Spätestens seit der Zeit des Nationalsozialismus sollte uns bewusst sein, was demzufolge permanente Wiederholungen von nicht verifizierbaren Behauptungen anrichten können. Sie führen vom mehrmaligen Hören, über das Rezipieren, zur Aufnahme in unser Unterbewusstsein und schließlich zur eigenen Verwendung dessen, was einem in periodischen Abständen gepredigt wurde, ohne dass auch nur noch ein Gedanke an den Wahrheitsgehalt der getätigten Aussage verschwendet wird. Nicht belegbare Argumente, die jedem geistigen Niveau erklärbar scheinen, werden von nun an für die Untermauerung dieser These herangezogen und bilden eine Mauer, aus undurchdringbarem ideologischem Filz, welche mittels keiner wissenschaftlichen Argumentation durchbrochen werden kann.

Wird unter diesem Aspekt folgender Satz betrachtet, wird das eben Geschilderte nur allzu deutlich.

„Gerade Deutschland profitiert ganz besonders vom Euro!“

Jener Slogan scheint, seit der Einführung des Euro und spätestens mit dem Ausbruch der Eurokrise, wohl mindestens genauso bekannt geworden zu sein wie das „made in germany“ selbst und geistert seitdem in der Gedankenwelt der Europäer herum.

Um es mit den Worten Karl Marxs zu sagen: Es geht ein Gespenst um in Europa.

Die Bundesrepublik habe die größte Wirtschaft des Kontinents, sie sei, dank des Wegfalls der Wechselkurse, Exportmeister Europas, kein anderer Staat schaffe stabiles Wachstum in solchen Zeiten der Krise außer Deutschland. Ohne Zweifel – niemand in der Eurozone, in Europa, ja sogar auf der gesamten Welt profitiere demnach so sehr von der Gemeinschaftswährung wie die Bundesrepublik.

Mit dem Ausbruch der Eurokrise scheint dieser Tenor gänzlich ideologische Züge angenommen zu haben. Es galt nun gegen den vermeintlichen Goliat in den Kampf zu ziehen und ihm mit allen Mitteln Herr zu werden. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass die Kommission im Zuge der Harmonisierung der europäischen Wirtschaft, Deutschland nicht nur für den großen Außenhandelsüberschuss rügte, sondern sich auch politische Schritte gegen ein weiteres Wachstum des Überschusses aussprach.

Nichtsdestotrotz ist es essentiell jenen Behauptungen methodisch und im Rahmen wissenschaftlicher Arbeit entgegenzutreten. Dies soll im Folgenden geschehen.

 

Dennis Hohloch

Stellv. Vorsitzender

Junge Alternative Brandenburg

 

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